„Und, was machst du so?" – „Ich bin CEO." – „Ah, also Geschäftsführer?" – „Naja. Irgendwie schon. Irgendwie auch nicht."
Genau dieses Gespräch hatte ich letzten Herbst auf einer Konferenz in Köln, und ich habe mich dabei ziemlich dumm gefühlt. Denn ich wusste selbst nicht so recht, wie ich die Frage beantworten sollte. Dabei beschäftige ich mich seit Jahren mit Unternehmensstrukturen, schreibe über Gründung, Führung und den ganzen Kram. Und trotzdem: Was ein CEO in einer Firma wirklich ist, hängt in Deutschland an einem Paragrafen, nicht an einem Titel.
Kurz gesagt: Der CEO ist die oberste operative Führungskraft eines Unternehmens. Chief Executive Officer, zu Deutsch in etwa „Vorstandsvorsitzender" oder „Geschäftsführer". Aber diese Übersetzung ist eine Notlösung, und wer sie für die ganze Wahrheit hält, tappt in eine Falle, in die ich selbst getappt bin.
Wichtige Erkenntnisse
- CEO steht für Chief Executive Officer und bezeichnet die höchste operative Führungsposition in einem Unternehmen.
- Im deutschen Recht existiert der Titel „CEO" offiziell gar nicht – die juristische Rolle heißt Geschäftsführer (GmbH) oder Vorstandsvorsitzender (AG).
- Der CEO trägt die Gesamtverantwortung für Strategie, Finanzen und Personal – bleibt aber dem Aufsichtsrat oder der Gesellschafterversammlung rechenschaftspflichtig.
- Vor allem Start-ups und Auslandstöchter verwenden den englischen Titel, weil er international verständlich ist.
- Die Bezahlung schwankt enorm: von unter 100.000 Euro bei kleinen Firmen bis weit über eine Million bei Dax-Konzernen.
Was ist ein CEO in einer Firma – einfach erklärt
Stellen Sie sich ein Schiff vor. Der CEO steht auf der Brücke. Nicht, weil er rudert – das machen Hunderte andere. Sondern weil er entscheidet, wohin das Schiff fährt, und weil er derjenige ist, der am Ende die Verantwortung trägt, wenn es auf ein Riff läuft.
Die Bedeutung des Kürzels
CEO kommt aus dem Amerikanischen: Chief Executive Officer. Wörtlich der „höchste ausführende Beamte". Gemeint ist die Person an der Spitze der operativen Leitung – also nicht der Eigentümer, nicht der Aufsichtsrat, sondern der Angestellte (oder Gründer), der das Tagesgeschäft und die langfristige Ausrichtung verantwortet.
Die Kernaufgaben sind erstaunlich stabil, egal ob das Unternehmen fünf oder 50.000 Mitarbeiter hat:
- Die Strategie festlegen und dafür sorgen, dass alle Abteilungen in dieselbe Richtung laufen
- Entscheidungen treffen, die niemand anders treffen darf (oder will)
- Geld beschaffen und verteilen – Budgets, Investitionen, im Zweifel Personalabbau
- Nach außen sprechen: gegenüber Investoren, Presse, Banken, manchmal auch der Belegschaft in der Betriebsversammlung
- Bei einer Krise den Kopf hinhalten
Wer ernennt diesen CEO eigentlich?
Das ist die Frage, an der sich zeigt, ob jemand wirklich verstanden hat, wie Unternehmensführung funktioniert. Der CEO ernennt sich nämlich nicht selbst. Bei einer GmbH bestellt die Gesellschafterversammlung den Geschäftsführer, bei einer AG wählt der Aufsichtsrat den Vorstand – und kann ihn bei wichtigem Grund auch wieder abberufen. Ein CEO ist also mächtig, aber nicht allmächtig. Wer das verwechselt, hat eine ziemlich romantische Vorstellung von Führung.
CEO oder Geschäftsführer – wo liegt der Unterschied?
Hier wird es juristisch, und ich gebe zu: Als ich mich zum ersten Mal ernsthaft damit befasste, habe ich die Begriffe wochenlang durcheinandergeworfen. Der Punkt ist folgender: „CEO" ist kein Rechtsbegriff im deutschen Handelsrecht. Er steht in keiner Satzung, in keinem Gesetz, in keinem Handelsregistereintrag.
Was dort steht, ist „Geschäftsführer" – bei einer GmbH. Der hat konkrete Pflichten, etwa die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns nach § 43 GmbHG, und haftet bei Verstößen unter Umständen persönlich. Bei einer Aktiengesellschaft heißt das Gegenstück „Vorstand", und die Struktur ist eine andere: Dort stehen sich Vorstand und Aufsichtsrat gegenüber, zwei getrennte Organe, die niemand in Personalunion besetzen darf.
Wann Firmen den englischen Titel wählen
Warum nennt sich dann ein deutscher Geschäftsführer überhaupt „CEO"? Aus drei Gründen, die ich in meiner eigenen Arbeit immer wieder beobachtet habe:
- Die Firma hat ausländische Investoren, und „CEO" versteht ein Venture-Capital-Geber aus San Francisco ohne Nachfragen.
- Es handelt sich um eine Tochter eines internationalen Konzerns, und der Titel folgt der Konzernsprache.
- Es ist ein Start-up, das schlicht modern klingen will. Ehrlich gesagt: Das ist der häufigste Grund.
Bei einem klassischen Mittelständler im Maschinenbau finden Sie dagegen fast immer noch den „Geschäftsführer" auf der Visitenkarte. Nicht, weil er weniger zu sagen hätte – sondern weil der Titel dort schlicht das Richtige ist. Meine Meinung: Wer sich in einem 80-Mitarbeiter-Betrieb in Ostwestfalen „CEO" nennt, macht sich ein bisschen lächerlich. Das ist meine persönliche Ansicht, und ich würde dafür auf einer Konferenz diskutieren.
| Merkmal | Geschäftsführer (GmbH) | CEO / Vorstand (AG) |
|---|---|---|
| Rechtliche Grundlage | GmbH-Gesetz | Aktiengesetz, angelsächsische Praxis |
| Kontrollgremium | Gesellschafterversammlung | Aufsichtsrat |
| Bestellung durch | Gesellschafter | Aufsichtsrat |
| Typische Verwendung | Mittelstand, Handwerk, Familienfirmen | Konzerne, Start-ups, Auslandstöchter |
| Persönliche Haftung | Bei Pflichtverletzung möglich | Haftungsbeschränkung für Vorstände geregelt |
CEO-Gehalt: Was verdient ein CEO in Deutschland wirklich?
Ich habe mal in einem Bewerbungsgespräch für eine Geschäftsführerposition gesessen, bei der mir ein Gehalt von 95.000 Euro angeboten wurden. Vollzeit. Für die Gesamtverantwortung eines Betriebs mit 40 Angestellten. Ich habe abgelehnt, und ich bereue es nicht.
Die Spanne ist absurd groß
Was ein CEO verdient, lässt sich nicht in einer Zahl sagen, weil die Unterschiede so gewaltig sind. Grob gesprochen:
- In einem kleinen Unternehmen mit 20 bis 50 Beschäftigten liegt das Grundgehalt häufig zwischen 70.000 und 130.000 Euro pro Jahr.
- In einem mittelgroßen Betrieb mit einigen Hundert Mitarbeitern sind 150.000 bis 300.000 Euro keine Seltenheit.
- Bei großen Konzernen kommen Gehälter im siebenstelligen Bereich vor, wobei ein erheblicher Teil davon variabel ist – Boni, Aktienpakete, langfristige Anreizprogramme.
Entscheidend ist der Anteil der variablen Vergütung. Je größer das Unternehmen, desto stärker hängt das Einkommen an Zielen, die ein CEO selbst nur bedingt beeinflussen kann. Das klingt fair, ist es aber nicht immer: Wenn die Börse einen guten Tag hat, steigt die Vergütung, obwohl die Leistung dieselbe war. Diese Entkopplung ist eines der Dinge, die mich an der ganzen Debatte am meisten stören.
Warum die Zahlen so schwanken
Ein CEO in einer Familienholding, die seit drei Generationen solide wirtschaftet, verdient oft erstaunlich wenig gemessen an der Verantwortung. Ein CEO eines frisch finanzierten Start-ups verdient manchmal mehr, obwohl das Unternehmen noch nie einen Cent Gewinn gemacht hat. Der Markt preist nicht Verantwortung, sondern Seltenheit und Risiko. Wer das begriffen hat, hört auf, sich über einzelne Gehälter zu empören – und schaut stattdessen auf die Anreizstruktur.
Häufige Fragen zum Thema CEO
Was ist höher als ein CEO?
Innerhalb der operativen Leitung meist niemand – der CEO steht an der Spitze. Darüber steht aber das Kontrollgremium: der Aufsichtsrat beziehungsweise die Gesellschafter oder der Eigentümer. Ein CEO kann von diesen Instanzen abberufen werden. In Konzernverbänden kann außerdem ein Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns oder ein Board of Directors Weisungsrechte haben.
Wie spricht man CEO aus?
Im Deutschen hat sich „Si-i-oh" eingebürgert, die drei Buchstaben einzeln ausgesprochen. Im Englischen hört man dagegen oft „Si-ii-ou". Beides ist völlig in Ordnung; im deutschen Geschäftsalltag hat sich die Buchstabenvariante durchgesetzt.
Welche Rolle spielen CFO und COO daneben?
Der CFO ist der Finanzchef (Chief Financial Officer), der COO der operative Leiter (Chief Operating Officer). Beide berichten in der Regel an den CEO. Der Unterschied in der Praxis: Der CEO entscheidet, was getan wird. Der CFO sorgt dafür, dass das Geld dafür da ist. Der COO kümmert sich darum, dass es tatsächlich passiert. Ohne die beiden ist ein CEO ziemlich schnell ein einsamer Mann mit großen Ideen und ohne Umsetzung.
Was Sie sich merken sollten
Ein CEO ist die Person an der Spitze der operativen Führung – mit der Gesamtverantwortung für Strategie, Finanzen und Menschen. In Deutschland trägt diese Rolle juristisch einen anderen Namen, nämlich Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender. Der englische Titel ist eine Übersetzung, keine eigene Rechtsform.
Und vielleicht ist genau das die interessanteste Erkenntnis: Die Frage nach dem Titel sagt mehr über die Kultur eines Unternehmens als über seine Hierarchie. Ein Betrieb, der auf „CEO" besteht, will nach außen international wirken. Einer, der bei „Geschäftsführer" bleibt, will vor allem eines: verstanden werden.
Was mich nachdenklich macht, ist etwas anderes. Je genauer man hinsieht, desto mehr zeigt sich, dass die eigentliche Macht eines CEO selten in dem liegt, was er entscheiden darf. Sie liegt darin, wie gut er Menschen dazu bringt, Entscheidungen zu tragen, die er allein getroffen hat. Und dafür gibt es keinen Paragrafen.