Lanzarote Sehenswürdigkeiten: was nach Timanfaya wirklich lohnt
Fast jeder, der mich nach Lanzarote fragt, kennt schon die Antwort, bevor ich den Mund aufmache: Timanfaya. Der Vulkanpark. Die Montañas del Fuego. Und ja, das stimmt auch. Nur ist Timanfaya der Punkt, an dem die meisten Reiseblogs aufhören — und genau da fängt die Insel für mich erst an.
Ich war jetzt fünfmal dort, verteilt über verschiedene Jahre, und beim ersten Besuch habe ich exakt das gemacht, was alle machen: mit dem Mietwagen die Hauptstraße runter, rein in den Park, raus aus dem Park, zurück ins Hotel. Ergebnis: vier Stunden Lanzarote. Das war alles. Beim dritten Besuch habe ich zwei Wochen auf der Insel verbracht, mit einem Mietwagen, den ich diesmal wirklich genutzt habe, und erst da habe ich verstanden, wie falsch meine erste Route war.
Dieser Artikel ist keine weitere Top-15-Liste. Es ist das, was ich gern gewusst hätte — mit konkreten Fahrzeiten, ehrlichen Warnungen und den Stellen, die in den üblichen Rundgängen fehlen.
Wichtige Erkenntnisse
- In den Parque Nacional de Timanfaya kommen Sie nur mit dem Bus des Parks — der eigene Mietwagen bleibt am Besucherzentrum stehen.
- Die Insel ist klein, aber die Straßen sind es nicht: Für die Strecke von Costa Teguise nach Playa Blanca brauchen Sie realistisch 45 bis 55 Minuten, nicht die 30, die Google Maps anzeigt.
- Die Salinen von Janubio, das Weingut El Grifo und der Mirador del Río tauchen in kaum einer Standardliste auf — und sind trotzdem das, woran ich mich am längsten erinnere.
- Wer im Juli oder August kommt, erlebt den Alisio-Wind — angenehm am Strand, brutal auf dem Rad oder beim Wandern.
- Ein Mietwagen ist auf dieser Insel nicht Luxus, sondern Grundvoraussetzung. Ohne ihn sehen Sie ein Drittel dessen, was möglich wäre.
- Buchen Sie Timanfaya am Morgen. Ab Mittag stehen die Busse Schlange, und die Hitze auf dem Lavafeld wird unangenehm.
Timanfaya: schön — aber nur, wenn Sie es richtig anpacken
Der Vulkanpark ist der Grund, warum viele überhaupt nach Lanzarote fliegen, und das ist berechtigt. Diese schwarze, rissige Fläche, die nach fast 300 Jahren immer noch stellenweise heiß ist — das gibt es in Europa kein zweites Mal. Was in den Blogartikeln aber selten steht: Sie fahren nicht mit Ihrem eigenen Auto durch den Park. Der Mietwagen bleibt am Parkplatz des Besucherzentrums, danach geht es mit einem der Parkbusse die Route entlang, und Sie sitzen die gesamte Strecke.
Wie lange dauert der Besuch wirklich?
Der Bus braucht etwa 40 Minuten für die Runde. Mit Anstehen, Besucherzentrum und dem obligatorischen Halt am Restaurant El Diablo kommen Sie auf zwei bis zweieinhalb Stunden. Ich habe beim ersten Mal gedacht, eine Stunde reicht — falsch gedacht.
Und dann gibt es noch die Dinge, die man vorher nicht weiß: Der Eintritt ist günstig, aber die Karten zieht man am Automaten oder online, und an Feiertagen ist der Andrang deutlich höher. Mein Rat: hingehen, sobald der Park öffnet. Ich habe einmal gegen halb zwölf mittags angestanden — fast 50 Minuten in der Sonne, ohne Schatten.
Was direkt daneben liegt und fast niemand mitnimmt
Wenige Minuten vom Parkeingang entfernt liegt der Charco de los Ciclos, besser bekannt als El Golfo: ein halb versunkener Kratersee mit grün leuchtendem Wasser, direkt an der Küste. Vom Aussichtspunkt aus sieht man die ganze Bucht in fünf Minuten. Es ist kein großer Programmpunkt, aber ein guter Zwischenstopp, bevor es weiter zur Südküste geht.
Und dann gibt es noch die Frage, die mir ständig gestellt wird:
Kann man Timanfaya ohne Mietwagen besuchen?
Ja, aber es ist mühsam. Es gibt Busverbindungen von Arrecife und von Puerto del Carmen in Richtung Yaiza, und von dort aus ist der Park mit dem Taxi erreichbar. Wirklich praktikabel ist das nur, wenn Sie ohnehin nur diesen einen Punkt anfahren wollen. Für die Kombination aus Timanfaya, El Golfo und der Südküste brauchen Sie ein Fahrzeug, sonst verbringen Sie den halben Tag mit Warten.
César Manrique: mehr als nur ein Name in jedem Reiseführer
Sie werden seinen Namen auf dieser Insel nicht los. César Manrique, 1919 in Arrecife geboren, war Maler, Architekt und der Grund, warum Lanzarote heute nicht aussieht wie Playa de las Américas auf Teneriffa. Er hat durchgesetzt, dass Hochhäuser auf der Insel faktisch verboten sind, dass Häuser weiß bleiben und Fensterläden grün oder blau. Klingt harmlos. Hat die Insel aber gerettet.
Seine bekanntesten Werke sind die Jameos del Agua und die Cueva de los Verdes, zwei Lavaröhren im Norden, in die er Restaurants, Konzertsäle und Schwimmbecken hineingebaut hat. Beide liegen wenige Minuten auseinander und lassen sich an einem Vormittag verbinden. Ehrlich gesagt: Die Jameos del Agua haben mich beim ersten Besuch enttäuscht — viel Andrang, wenig Substanz. Beim zweiten Mal, früh am Morgen, war es eine völlig andere Erfahrung.
Welche Manrique-Stationen sich wirklich lohnen
- Mirador del Río — oben im Norden, Blick auf die vorgelagerte Insel La Graciosa. Der beste einzelne Aussichtspunkt der Insel.
- Fundación César Manrique in Tahíche — sein ehemaliges Wohnhaus, gebaut über fünf natürlichen Lavablasen. Unterschätzt, weil viele es auslassen.
- Jardín de Cactus bei Guatiza — ein ehemaliger Steinbruch, vollgestellt mit Kakteen. Klingt beliebig, ist es nicht.
- Jameos del Agua — nur früh am Morgen empfehlenswert.
Mein Favorit unter allen ist nicht das berühmteste, sondern der Mirador del Río. Bei klarer Sicht sehen Sie die ganze Meerenge bis nach La Graciosa hinüber, und wenn Sie Glück haben, liegt die Insel unter Ihnen wie ein flaches Blech.
Der Norden und der Westen: hier fehlen die meisten Besucher
Der klassische Fehler ist, den Süden als Basis zu nehmen und dann nach Norden zu pendeln. Rechnen Sie mit 50 Minuten pro Richtung von Playa Blanca zum Mirador del Río. Das sind fast zwei Stunden am Tag nur im Auto. Wenn Sie drei oder mehr Nächte bleiben, teilen Sie die Insel auf: zwei Nächte im Süden, zwei im Norden oder Zentrum.
Die Salinen von Janubio
An der Westküste, kurz vor El Golfo, liegen die Salinas de Janubio — die größten Salzfelder der Kanaren, terrassenförmig in Schwarz und Weiß angelegt. Sie können dort spazieren, ohne Eintritt, und der Kontrast zwischen den rosa und weißen Salzbecken und dem schwarzen Lavagestein ist fotografisch besser als alles in Timanfaya. Ich habe dort zwei Stunden verbracht, ohne es geplant zu haben.
Wann Sie hinfahren sollten — und wann nicht
Die Insel hat das ganze Jahr über mildes Wetter, das stimmt, aber „mild" heißt nicht „immer gleich". Zwischen Juli und September bläst der Alisio-Wind oft mit einer Stärke, die Wandern auf den Lavawegen zur Qual macht. Januar und Februar sind ruhiger, kühler, und die Insel gehört Ihnen fast allein.
Was kein Reiseblog erwähnt: Die lokalen Feste machen Straßen zeitweise unpassierbar. Der Karneval in Arrecife im Februar und die Feierlichkeiten zu San Ginés im August ziehen die ganze Insel auf die Beine. Wenn Sie genau dann anreisen, planen Sie Umwege ein.
Unterkünfte und Fahrzeiten: die Tabelle, die in keinem Reiseführer steht
Die Wahl des Standorts entscheidet mehr über Ihre Reise als die Frage, welche Sehenswürdigkeit Sie ansteuern. Hier die ehrlichen Zahlen aus meinen eigenen Fahrten:
| Basis | Charakter | Fahrzeit Mirador del Río | Fahrzeit Timanfaya | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Puerto del Carmen | Touristisch, laut, viele Restaurants | ca. 55 Min. | ca. 20 Min. | Kurzurlaub, Strandfokus |
| Costa Teguise | Ruhiger, gute Infrastruktur | ca. 40 Min. | ca. 35 Min. | Familien, ausgeglichene Lage |
| Playa Blanca | Am ruhigsten, viele Fähren nach Fuerteventura | ca. 50 Min. | ca. 40 Min. | Längerer Aufenthalt, Süden |
| Teguise / Zentrum | Wenig Tourismus, altes Städtchen | ca. 25 Min. | ca. 30 Min. | Wer die Insel wirklich sehen will |
Teguise ist meine Empfehlung, wenn Sie mehr als fünf Nächte bleiben. Das alte Städtchen ist die ehemalige Hauptstadt, hat einen Sonntagsmarkt, und Sie sitzen geografisch mitten auf der Insel. Von dort erreichen Sie fast jede Ecke in einer halben Stunde.
Orte, die in kaum einer Liste auftauchen
Wenn ich ehrlich bin: Die Dinge, an die ich mich am stärksten erinnere, sind nicht die, die ich geplant hatte.
Am Ende einer Nebenstraße bei Órzola, ganz im Norden, gibt es eine kleine Bucht mit einem Fischerhafen, in dem man mittags frischen Fisch direkt am Wasser bekommt. Kein Schild, kein Eintrag in einer App, keine Bewertungen. Ich bin dort zufällig gelandet, weil ich mich verfahren habe.
Und dann ist da El Grifo, eine der ältesten Bodegas der Kanaren, mitten im Lavagelände von La Geria. Die Reben wachsen dort in halbrunden Gruben im schwarzen Vulkansand, jede Pflanze einzeln von einer kleinen Steinmauer geschützt. Das ist keine Attraktion mit Eintritt und Audioguide. Man setzt sich hin, probiert drei Weine, und geht wieder. Für mich war das ein besserer Nachmittag als der halbe Timanfaya-Besuch.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Beim ersten Besuch habe ich versucht, alles an einem Tag zu sehen. Das ist auf Lanzarote nicht nur unmöglich, sondern zerstört die Reise. Die Insel ist 60 Kilometer lang. Klingt nach nichts. Ist es aber, wenn Sie jeden Tag drei Stunden im Auto sitzen und an jeder Ecke anhalten, weil wieder ein Aussichtspunkt auftaucht, den Sie nicht einplanen konnten.
Mein ehrlicher Rat: Nehmen Sie sich für den ersten Aufenthalt vier Nächte, wählen Sie zwei Basen, und lassen Sie bewusst etwas aus. Timanfaya werden Sie sehen. Die Salinen von Janubio, den Mirador del Río und eine Bodega im Lavasand werden Sie nur sehen, wenn Sie sich dafür entscheiden, an einem Nachmittag nicht weiterzufahren.
Und wenn Sie am letzten Abend in Órzola am Hafen sitzen und jemand neben Ihnen fragt, ob Sie schon „alles gesehen" haben — sagen Sie einfach ja. Erklären muss man das nicht.